Monika RittershausFoto: Monika Rittershaus
Orpheus in der Unterwelt (Jacques Offenbach)
Inszenierung Barrie Kosky, 2021
Musikalische Leitung James Hendry
Schamlos, witzig und frivol! In Barrie Koskys bei den Salzburger Festspielen 2019 frenetisch gefeierter Inszenierung – der ersten Offenbach-Operette der fast 100-jährigen Festspielgeschichte überhaupt – trifft pralle Mythentravestie auf ein spielfreudiges Ensemble der Spitzenklasse.
Die Ausgangssituation stellt sich bei Offenbach im Vergleich zum Mythos »geringfügig« anders dar: Eurydike, die zentrale Figur, hasst die durch ihren Gemahl personifizierte Musik. Und Orpheus selbst ist nicht mehr als ein kleiner, fader Musiklehrer aus Theben; Aristaeus, der göttliche Verführer, ist ein schauspielernder Honighändler, und Jupiter, der »Vater der Götter«, ein geiler Bock, unablässig auf der Pirsch. Der geheimnisumwitterte John Styx erzählt die Geschichte vom verzopften Orpheus und seiner genervten Eurydike, von Göttinnen und Göttern auf der Suche nach Zerstreuung, angeödet vom Alltag im Olymp. Brennend vor Neugier auf die schöne Entführte und den Wettstreit zwischen Jupiter und Pluto um die Gunst der Eurydike, begibt sich die illustre Gesellschaft auf einen Höllenritt in die Unterwelt, der im wohl bekanntesten Cancan der Musikgeschichte gipfelt. Und Eurydike? – sie macht schließlich allen einen Strich durch die Rechnung …
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Foto: Michael Petersohn / Grafik Florian Dengler
Dave Grossmann